Wir verstehen Wein
nicht als ein uniformes
Massenprodukt.
Wir sind Gleichgesinnte, die danach streben, die Charakteristika unserer Gegend und Böden, unseres Klimas, unserer Sorten und unserer Keller in den Weinen zum Ausdruck zu bringen.
Die ÖTW sind ein 1991 gegründeter Verein mit Sitz in Krems an der Donau. Primäres Ziel ist laut Gründungsurkunde eine Klassifikation der Rieden Österreichs. Diese soll den Konsument*innen eine Orientierungshilfe in der Vielzahl an Herkunftsbezeichnungen sein.
Riede ist die österreichische Bezeichnung für „Lage“. Wir verwenden je nach Kontext und besserer Verständlichkeit beide Begriffe. „Lagenklassifizierung“ ist die im deutschen Sprachraum gängigere Bezeichnung.
Unsere Mitglieder bewirtschaften die historischen Rieden in der Tälerlandschaft im nordöstlichen Donauraum, das sind die Appellationen Kamptal, Kremstal, Traisental und Wagram, sowie im Osten entlang der Donau in den Weinbauregionen Wien und Carnuntum. Jede Appellation spiegelt ihre Besonderheit im Wein wider.
Unser Streben versteht sich als Antithese zu Wein als uniformem Massenprodukt ohne Individualität, ohne Erkennbarkeit und Bezug zur Natur. Wein in merkbarer Beziehung zu seinem Ursprung ist unser Ziel.
Die österreichischen Weinbaugebiete sind vielfältig. Je nach Gebiet kann es sein, dass angrenzende – oft nur ein paar Zeilen große – Weingärten auf unterschiedlichen Böden liegen und durch ein anderes Kleinklima geprägt sind. Diese Unterschiede haben direkten Einfluss auf den dort wachsenden Wein.
In enger Zusammenarbeit mit Geologen, Ampelografen (Rebsortenkundlern) und anderen Expert*innen widmen wir uns deshalb seit 1991 mit Leidenschaft und Akribie der Lagenklassifizierung und ihrer Definition anhand von Geschichte, Boden, Mikroklima und deren Einfluss auf die Charakteristik und Güte der jeweiligen Weine. Diese Lagenklassifizierung dient den Konsument*innen als Orientierungshilfe innerhalb der österreichischen Riedenlandschaft mit ihren über 4.000 Lagen.
Wind und Wetter, Jahreszeitenverlauf, Spannungsfeld zwischen Tag und Nacht, Stand der Sonne und des Mondes, kosmische Einflüsse und Geologie. An diesen Elementen und Phänomenen orientieren sich die Weinbauern seit Jahrtausenden, auf unserem Siegel sind sie durch Sonnenuhr und Kompass symbolisiert. Das ÖTW-Siegel kennzeichnet die Mitgliedsbetriebe und wird von diesen auf Kapsel oder Etikett angebracht.
„Das Schönste waren die gemeinsamen Wanderungen durch die Lagen und die Verkostungen der dort entstandenen Weine. Nirgendwo in der Welt des Essens und Trinkens gibt es ein so enges Band zwischen Herkunft und Genuss wie beim Wein. Sehr sympathisch war uns immer schon das Burgund mit seiner Betonung der Herkunft, Klassifizierung und den gewachsenen Traditionen rund um edlen Wein.“
Erinnerung eines Gründungsmitglieds
Schon vor den ersten Zusammenkünften gegen Ende der 1980er-Jahre wussten unsere Gründungsmitglieder, dass zwischen Wein und Lage eine intensive Verbindung besteht. So trafen sie einander, um dieser Verbindung auf den Grund zu gehen und präzise auszuarbeiten. Sie legten den Grundstein für die Österreichischen Traditionsweingüter.
Die Geschichte der ÖTW reicht also weit zurück. 1991 formierten sich schlussendlich zehn Winzer aus dem Kamptal und Kremstal, um den Prozess der Lagenklassifizierung gezielt anzugehen und das Potential ihrer herausragenden Einzellagen zu diskutieren. Im Fokus stand die Interdependenz von Gemeinschaft, Identität, Boden und Weinqualität.
Die ersten Jahre.
In enger Zusammenarbeit mit Geologen, Ampelografen (Rebsortenkundlern) und anderen Expert*innen intensivierten die Winzer ihre Auseinandersetzung mit den komplexen Zusammenhängen von Boden und Kleinklima und deren Einfluss auf die unterschiedlichen Rebsorten mit den jeweiligen Charakteren. Auf Basis ihrer Erkenntnisse entwickelten sie eine wissenschaftliche und objektivierbare Klassifikations-Systematik, die bis heute die Grundlage unserer Arbeit ist.
Von 1991 bis heute.
Die Gründungsmitglieder aus dem Kamptal und Kremstal erweiterten über die Jahre ihren Kreis um Weingüter am Wagram und im Traisental, 2018 um Weingüter in Wien und Carnuntum.
2010
war der Verein auf dreißig Winzerinnen und Winzer angewachsen, die ihre Erfahrung und ihr Wissen in die gemeinsame Arbeit einbrachten. Auf Basis der über die Zeit entwickelten Systematik leiteten sie den Prozess für die erste Lagenklassifizierung Österreichs ein. Sie gingen davon aus, und tun dies noch heute, dass große Weine nur in den herausragendsten und bedeutendsten Lagen einer Region gedeihen.
53 Rieden
wurden in dieser ersten Phase als ÖTW ERSTE LAGE (1ÖTW) klassifiziert. Mit der „Klassifikation 2020“ dürfen nun insgesamt 90 Lagen dieses Prädikat tragen.
2020
öffneten wir auch Nicht-Mitgliedsbetrieben aus dem Donauraum unser Klassifikations-System unter Einhaltung der Vereinskriterien zu Weingarten-Bewirtschaftung und Weinbereitung. Sie dürfen 1ÖTW am Etikett führen, das ÖTW-Siegel ist den Mitgliedsbetrieben vorbehalten.